Der Mai ist die Crux des Gartenjahres: Zu früh handeln, und der letzte Frost ruiniert die mühsam vorgezogenen Jungpflanzen. Zu lange warten, und die beste Pflanzzeit ist verstrichen. Wer den Mai im Griff hat, hat die halbe Gartensaison gewonnen. Dieser Ratgeber zeigt dir Monat für Monat genau, wann welche Aufgabe dran ist – für einen Garten, der im Sommer alle Blicke auf sich zieht.
Die Eisheiligen – wann ist wirklich Schluss mit Frost?
Die Eisheiligen (Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die „Kalte Sophie“) fallen auf den 11. bis 15. Mai. Meteorologisch handelt es sich um eine statistische Häufung von Kälteeinbrüchen in dieser Zeit, die durch polare Luftmassen aus Nordost entstehen. Aber Achtung: Die Eisheiligen sind eine Bauernregel, keine Garantie.
Im Durchschnitt endet die Frostgefahr in Norddeutschland um den 15. Mai, in Süddeutschland und Lagen oberhalb von 500 m bis Mitte/Ende Mai. Auch danach sind vereinzelte Bodenfröste möglich. Im Zweifel: Abendwetterprognose checken und empfindliche Pflänzchen notfalls nochmal ins Haus holen. Ein Thermometer auf der Terrasse kostet wenig und rettet viel.
Gute Nachricht: Wer seine Jungpflanzen im April bereits abgehärtet hat – also tagsüber rausgestellt und nachts reingeholt –, der hat robuste Pflanzen, die einen kurzen Kälteeinbruch deutlich besser wegstecken. Ein Gartenvlies als Notfallschutz zu Hause zu haben, ist trotzdem keine schlechte Idee.
Gartenvlies FrühbeetTomaten, Paprika & Co. auspflanzen
Nach den Eisheiligen ist es so weit: Die Königsdisziplin des Gemüsegärtners – das große Auspflanzen der wärmeliebenden Sommergemüse. Tomaten, Paprika, Chili, Auberginen, Zucchini und Kürbis verlassen das schützende Gewächshaus oder die Fensterbank und ziehen in den Garten ein.
Bei Rispentomaten und hochwachsenden Fleischtomaten solltest du die Seitentriebe (Geiztriebe) in den Blattachseln regelmäßig ausbrechen. Das lenkt die Energie in Früchte statt in Blattmasse. Busch- und Cocktailtomaten sowie Wildtomaten müssen nicht ausgegeizt werden – sie verzweigen von Natur aus buschig.
„Wer Tomaten im Freien anbaut, sollte unbedingt auf gute Belüftung achten. Tomaten hassen feuchte Blätter – das ist der Hauptauslöser für die gefürchtete Krautfäule. Nie von oben gießen, immer von unten an den Wurzeln. Und wenn möglich: ein Regendach aus Folie über die Beetreihe spannt Wunder.“
Balkon und Terrasse bepflanzen
Der Mai ist die klassische Balkonpflanz-Zeit. Die Gärtnereien und Baumärkte haben ihr größtes Sortiment – und du hast die beste Auswahl. Wichtig: Auch für den Balkon gilt nach den Eisheiligen. Pelargonien, Petunien und Calibrachoa vertragen keinen Frost.
Balkonpflanzen nach Standort wählen
- Vollsonne (Süd/West): Pelargonien, Portulakröschen, Gazanie, Verbene, Zauberglöckchen (Calibrachoa), Tagetes
- Halbschatten (Ost/geschützt West): Begonien, Fuchsien, Impatiens (Fleißiges Lieschen), Diascia
- Schatten (Nord/Ost): Fuchsien, hängende Begonien, Lobelie, Schattenpetunie
- Kräuter für den Balkon: Basilikum, Schnittlauch, Thymian, Rosmarin, Minze – im Topf gut beherrschbar, frisch für die Küche
- Kübelgemüse: Cocktailtomaten, Paprika, Salat, Radieschen – auch auf dem Balkon möglich mit dem richtigen Substrat
Achte bei Balkonkästen auf gute Drainage – Wasserrückstau ist der häufigste Pflanzen-Killer. Hochwertige Kübelpflanzenerde mit Langzeitdünger sparen tägliches Nachdüngen. Geranien im Topf müssen täglich gegossen werden, im Hochsommer manchmal zweimal – rechne das in deinen Alltag ein.
Gemüsegarten im Mai: Vollgas auf ganzer Linie
Der Mai ist der vollste Monat im Gemüsegarten. Gleichzeitig sät du aus, pflanzt du ein, erntest du die Ersten und bereitest du die nächste Runde vor. Klingt viel – ist es auch. Aber wer jetzt den Überblick behält, der hat im Sommer die größte Ernte.
Gemüse-Fahrplan Mai
- Direktsaat ins Freiland: Buschbohnen (erst nach den Eisheiligen), Gurken, Mangold, Dill, Fenchel, Pastinaken, Zweite Runde Möhren und Radieschen
- Auspflanzen: Tomaten, Paprika, Zucchini, Kürbis, Süßmais (nach Eisheiligen), Brokkoli und Blumenkohl, Porree
- Ernte beginnt: Radieschen, Salat, Spinat, Erbsen, Frühkartoffeln – erste Mahlzeiten aus dem eigenen Garten!
- Pflege: Erdbeeren von Ausläufern befreien, wenn keine Vermehrung gewünscht; Erbsen anheften und stützen; Kartoffeln bei ca. 15 cm Wuchshöhe anhäufeln
Rosen pflegen und düngen
Im Mai knospen die Rosen und zeigen, was sie in der Saison leisten werden. Jetzt ist die wichtigste Pflegezeit: Wer jetzt richtig düngt und die ersten Schädlinge im Blick behält, kann sich im Juni über ein Rosenparadies freuen.
Der Mai ist auch eine gute Zeit, um neue Rosen aus dem Container zu pflanzen. Das Pflanzloch sollte doppelt so groß sein wie der Wurzelballen. Tiefwurzelnde Rosen profitieren von gut gelockertem Unterboden. Beim Pflanzen die Veredelungsstelle (der kleine Knubbel am Stiel) etwa 5 cm unter die Erdoberfläche setzen – das schützt sie vor Frost.
Rhododendren & Frühblüher nach der Blüte
Rhododendren, Flieder, Forsythien und andere Frühjahrsblüher stehen im Mai in voller Pracht – oder kurz vor dem Ende der Blüte. Was jetzt nach der Blüte zu tun ist, entscheidet über den Blütenreichtum im nächsten Jahr.
Nachblüte-Pflege im Überblick
- Rhododendron ausgeizen: Verblühte Stände direkt nach der Blüte ausbrechen (nicht abschneiden!). Das lenkt die Kraft in die Knospenbildung fürs nächste Jahr
- Flieder: Verblühte Rispen zurückschneiden – knapp oberhalb der nächsten Blattknospe. Kein Schnitt in alte, verholzte Triebe jetzt
- Forsythie: Wer einen Formschnitt machen möchte, macht das jetzt sofort nach der Blüte – danach nicht mehr im Jahr, da auf diesjährigen Trieben die Blütenknospen für nächstes Jahr gebildet werden
- Rhododendron düngen: Direkt nach der Blüte einmalig mit Rhododendron-Spezial-Dünger (pH-Wert-senkend, kaliumarm) düngen – danach bis zum nächsten Frühjahr nicht mehr
- Tulpen & Narzissen: Blätter stehen lassen, bis sie komplett vergilbt sind – die Zwiebeln brauchen die Zeit, um Energie für nächstes Jahr einzuspeichern
Rasenpflege im Mai
Im Mai wächst der Rasen auf Hochtouren – was bedeutet: mehr Mähen, mehr Gießen, mehr Aufmerksamkeit. Wer seinen Rasen jetzt regelmäßig pflegt, verhindert, dass er im Hochsommer unter Hitze und Trockenheit leidet.
Mährhythmus anpassen
- Im Mai: mindestens einmal pro Woche mähen
- Schnitthöhe: 4–5 cm – niemals unter 3 cm
- Bei Trockenheit: höher stehenlassen (5–6 cm)
- Grasschnitt mulchen spart Dünger
Gießen & Bewässerung
- Morgens gießen, nicht abends (Pilzgefahr)
- Selten und tief, statt täglich oberflächlich
- Pro Woche 15–20 Liter pro m² bei Trockenheit
- Bewässerungscomputer spart Wasser und Arbeit
Düngen & Lücken schließen
- Rasendünger mit Langzeitwirkung ausbringen
- Kahle Stellen nochmals nachsäen
- Unkraut jetzt ausstechen, bevor es blüht
- Rasenrand mit Rasenkante sauber halten
Schädlinge & Krankheiten im Blick behalten
Im Mai explodiert nicht nur das Pflanzenwachstum, sondern auch die Schädlingspopulation. Blattläuse, Schnecken, Raupen – alle starten gleichzeitig durch. Wer früh hinschaut, braucht weniger einzugreifen.
„Der beste Schädlingsschutz ist ein gesunder, artenreicher Garten. Wer Insektenhotels aufhängt, Wildblumen-Ecken lässt und auf breite Insektizideinsätze verzichtet, der hat natürliche Feinde im Garten, die viele Probleme von selbst lösen. Ein Marienkäfer frisst täglich bis zu 150 Blattläuse – besser als jedes Spritzmittel.“