3 Symptome an Pflanzen und ihre Ursachen
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Wenn du mit offenen Augen durch die Natur gehst, fallen dir hin und wieder Dinge auf, die sich nicht sofort erklären lassen: runde Kugeln oder merkwürdige Dornen an Blättern, seltsame helle Linien wie mit einem Tintenlöscher gezogen – oder deformierte, rot-grün gefärbte Pfirsichblätter im Frühjahr. Diese Auffälligkeiten haben ganz bestimmte Ursachen. Wir stellen sie dir vor.
Pflanzengallen: Was sind das für komische Früchte an den Blättern?
Wenn dir bei einem Waldspaziergang oder im eigenen Beet Pflanzen mit merkwürdigen Auswüchsen auffallen, siehst du wahrscheinlich sogenannte Gallen. Manche sehen aus wie Früchte – allerdings solche, die gar nicht zur Pflanze passen wollen. Gallen können überall auftauchen: an Wurzeln, Stängeln, Rinde, Laub, Knospen und sogar Früchten.
Allein in Deutschland gibt es mehrere tausend Gallenarten. Gallmilben, verschiedene Wespen-, Läuse- und Fliegenarten sind wahre Meister der individuellen Architektur – und lassen für sich arbeiten: Die Stoffe, die sie beim Stechen oder Beißen abgeben, regen die Pflanze an, genau die Wucherung zu bilden, die der Nachwuchs als geschützte Aufzuchtstation braucht.
Die gute Nachricht: Gallen sind meistens vollkommen ungefährlich für die Pflanzen. Wer sie dennoch loswerden möchte, kann betroffene Blätter oder Triebe einfach ausschneiden – nötig ist das aber nicht. Jede Gallmücke und -wespe hat ihren Platz im Kreislauf der Natur und dient anderen Nützlingen als Nahrungsquelle.
Minierfliegen: Kleine Tunnelbauer mit großem Selbstbewusstsein
Winzige Minierfliegen fressen sich munter unter der Blatthaut von Zier- und Gemüsepflanzen durch – und kümmern sich dabei nicht im Geringsten darum, dass man ihnen dabei zusehen kann. Ihre schlangenlinienartigen, hellen Gänge laufen kreuz und quer über die Blätter und sind nicht zu übersehen. Es sieht fast aus, als hätte jemand mit einem Tintenlöscher das Blattgrün entfernt.
Anders als bei Gallen können Minierfliegen deinen Pflanzen wirklich schaden: Beim Graben ihrer Gänge zerstören sie das Blattgrün, das die Pflanze für die Fotosynthese braucht. Zu viele Gänge auf zu vielen Blättern können für die Pflanze den Tod bedeuten. Allein in Mitteleuropa gibt es ca. 350 bis 500 Arten – in Gärtnereien gelten sie als einer der bedeutendsten Schädlinge.
Das kannst du dagegen tun
Die Geheimwaffe heißt, wie so oft, Nützlinge. Ein naturnaher Garten ist der beste Schutz:
- Garten natürlich gestalten. Vögel, Ameisen und Schlupfwespen halten Minierfliegen in Schach – aber nur, wenn sie sich im Garten wohlfühlen. Wildkräuter reduzieren, da sie den Fliegen als Raststätten dienen.
- Im Gewächshaus frühzeitig kontrollieren. Gelbtafeln als Frühwarnsystem aufhängen. Bei ersten Gängen in Blättern sofort handeln: Befallene Pflanzen in den Hausmüll – nicht auf den Kompost!
- Wertvolle Pflanzen: Schlupfwespen einsetzen. Im Fachhandel als Briefchen erhältlich. Die Wespen schlüpfen nach einigen Tagen und bekämpfen die Minierfliegen biologisch. Mindesttemperatur: 15 °C.
Wichtig
Befallene Pflanzen gehören immer in den Hausmüll – niemals auf den Kompost. Vom Kompost aus suchen sich Minierfliegen direkt neue Wirte auf dem Grundstück.
Kräuselkrankheit: Wenn junge Pfirsichblätter Blasen werfen
Wie enttäuschend, wenn sich die jungen Blätter von Pfirsich-, Nektarinen- oder Aprikosenbäumen schon kurz nach dem Austreiben kräuseln und rötlich oder gelblich-weiß verfärben. Ein Pilz ist schuld an der Misere – und mit der Deformierung ist der Spuk noch nicht vorbei: Im Mai oder Juni kommen die verbliebenen Blätter mit einem weißen Pilzrasen überzogen. Manchmal fallen sogar Blütenknospen ab, ohne dass Früchte entstehen.
Ende Juni wendet sich das Blatt: Der Baum treibt neu aus – und die neuen Blätter sind gesund. Doch der Neuaustrieb kostet viel Kraft, die dem Baum für Fruchtentwicklung, Wachstum und Abwehr fehlt. Ernten fallen nach einem Befall oft mager oder ganz aus.
Den richtigen Zeitpunkt zum Handeln kennen
Das Tückische: Der Pilz infiziert die Pflanzen, lange bevor die ersten Blätter sichtbar sind. Wer die Kräuselkrankheit kennt, muss im Folgejahr mit einem Fungizid eingreifen – und zwar zum richtigen Zeitpunkt:
Den richtigen Moment nicht verpassen
Sobald das Thermometer erstmals auf 10 °C oder mehr klettert, ist Handeln angesagt. Das Fungizid drei Mal im Abstand von 1 bis 3 Wochen auf den gesamten Baum aufträgen – bevor die Knospen sich öffnen. Ist der Zeitpunkt verpasst, hilft nur Warten: Alle pilzbefallenen Blätter in die Mülltonne, nicht auf den Kompost.
Vorbeugen: die richtige Sorte wählen
Wer von vornherein auf robuste, wenig anfällige Sorten setzt, hat beim nächsten Frühjahr die besseren Karten. Da gelbe Pfirsiche häufig befallen werden, empfehlen sich weiß- oder rotfleischige Sorten:
- ‘Benedicte’ – robuste Sorte mit guter Widerstandskraft
- ‘Revita’ – wenig anfällig gegenüber der Kräuselkrankheit
- ‘Roter Weinbergpfirsich’ – Klassiker mit guter Robustheit
„Die Wahl einer unempfindlicheren Pfirsichsorte ist die halbe Miete! Die andere Hälfte ist der richtige Pflanzplatz: Nur in Weinbauregionen oder am Niederrhein haben Pfirsiche und Aprikosen die Aussicht auf gesundes Wachstum – und auch dort nur geschützt nahe einer Hauswand.“
Fazit: Erst informieren – Gifte sind selten die Antwort
In der Natur gibt es viele auffällige Erscheinungen, die sich bei näherer Betrachtung als harmlos herausstellen. Deshalb immer zuerst informieren, bevor zum Pflanzenschutzmittel gegriffen wird.
Gallen sind meistens unbedenklich. Minierfliegen lassen sich gut mit Nützlingen in den Griff bekommen. Nur wenige Fälle – wie die Kräuselkrankheit am Pfirsich – rechtfertigen den gezielten Einsatz eines Fungizids. Wer das beherzigt, hilft dabei, den Einsatz von Giften in der Natur zu reduzieren.